Zeit, Spotify zu verlassen?
Spotify ist überall. In der Bahn, auf WG-Partys, beim Lernen, beim Einschlafen. Kaum ein anderer Dienst hat es geschafft, Musik so sehr in den Alltag zu integrieren. Alles. Jederzeit. Und genau da beginnt das Problem.
14. Dezember 2025
Spotify steht derzeit stark in der Kritik. Und das aus gutem Grund. Der Streaming-Riese sieht sich mit einer ganzen Reihe von Kritikpunkten konfrontiert. Die Musikentdeckung wird zunehmend von Algorithmen gesteuert, KI-generierte Songs und Playlists fluten die Plattform, während die Bezahlung für Künstler:innen weiterhin intransparent und oft beschämend niedrig bleibt. Hinzu kommen Investitionen in Rüstungs-Start-ups. Kein Wunder also, dass in den letzten Wochen kaum eine größere Nachrichtenplattform daran vorbeikam, über Spotify und seine problematischen Entscheidungen zu berichten. (TAZ, BR, NDR, Metal Hammer, ZEIT)
Der Algorithmus hört mit.
Natürlich ist „Release Radar“ praktisch. „Discover Weekly“ wirkt sogar ein bisschen magisch. Aber je länger man Spotify nutzt, desto klarer wird: Der Algorithmus liebt Wiederholung. Er belohnt Bekanntes, pusht Bewährtes und hält sich gerne an das, was ohnehin schon gut funktioniert. Für Künstler:innen bedeutet das: Wer einmal drin ist, bleibt drin. Wer draußen ist, bleibt draußen.
Newcomer:innen und mittlerweile sogar bekanntere Künstler:innen berichten seit Jahren, dass Sichtbarkeit weniger mit künstlerischer Qualität zu tun hat als mit Playlist-Platzierungen. Und diese hängen oft von Labelkontakten, Marketingbudgets und Streamingzahlen ab. Musik wird zur Kennzahl. Songs werden kürzer, Refrains kommen früher, Intros sterben aus. Nicht, weil es die Kunst so will, sondern weil es dem Algorithmus so gefällt.
Bezahlung: der ewige Elefant im Raum.
Ein weiterer Punkt, der sich nicht ignorieren lässt: Geld. Oder genauer gesagt: zu wenig davon. Spotify zahlt pro Stream Beträge, die für die meisten Künstler:innen kaum mehr als symbolisch sind. Um von den Einnahmen durch Spotify leben zu können, braucht es Millionen von Streams – eine Realität, die nur für einen Bruchteil der Musiker:innen existiert.
Das Perfide daran: Spotify verkauft sich gerne als demokratische Plattform. Jeder kann hochladen, jeder kann gehört werden. Aber in Wahrheit profitieren vor allem diejenigen, die ohnehin schon Reichweite haben. Für alle anderen bleibt Spotify oft ein Promo-Tool, aber keine Einnahmequelle.
Podcasts, Exklusivität und Kontrolle
In den letzten Jahren hat Spotify massiv in Podcasts investiert. Exklusive Deals, eigene Studios, große Namen. Klingt nach Expansion, ist aber auch ein Machtspiel. Inhalte werden gebündelt, abgeschottet und kontrolliert.
Spotify strebt eine umfassendere Funktion als bloßer Musikdienst an. Vielmehr handelt es sich um einen Medienkonzern. Und Konzerne handeln selten im Sinne der Kunst.
Die Plattform wechseln? Keine schlechte Idee!
Den Streaminganbieter zu wechseln, fühlt sich erst einmal anstrengend an. Playlisten, Favoriten, Hörgewohnheiten – all das hängt an diesem Account. Aber genau deshalb lohnt sich der Schritt, denn er führt zu einem besseren Ergebnis und langfristig zu einer gesünderen und zukunftsträchtigeren Musikbranche.
Andere Plattformen setzen andere Schwerpunkte: bessere Bezahlung, höhere Audioqualität, mehr Transparenz oder direkteren Support für Künstler:innen. Und ganz nebenbei kann ein neuer (oder gar kein) Algorithmus auch musikalisch befreiend sein.
Fazit
Wir haben gelernt, Musik zu skippen, noch bevor sie überhaupt anfangen darf. Spotify hat das Musikhören vereinfacht – und dabei vieles glattgezogen. Wer sich davon löst, entscheidet sich nicht für Verzicht, sondern für Verantwortung. Für fairere Modelle, für mehr Vielfalt und für ein System, das Kunst nicht nur misst, sondern auch ermöglicht.
Wenn ihr euch ein Bild davon machen wollt, was Spotify antreibt, haben wir euch ein Interview mit dem CEO von Spotify verlinkt. Spoiler: Um Musik und ihre Bedeutung geht es darin quasi gar nicht.
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