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jumi

„Ich glaube, mein größter Schritt war, meine ganze Künstlerinnenidentität nochmal umzudenken und entgegen jedes Rats aus der Industrie neu anzufangen.“

Lagerkoller: Was macht deine Musik aus?

jumi: Meine Musik ist handgemacht, persönlich und entsteht meistens nicht in der Kiste. Ich spiele gerne mit einem eigentlich bandigen Sound und ein paar elektronischen Einflüssen. Außerdem liebe ich warme Soundwelten und alte Synthies

Lagerkoller: Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?

jumi: Meine Eltern leben beide von der Musik und so fand mein ganzes Leben zwischen Speakern und Kabeln statt. Ich liebe, dass Musikerin sein für mich dadurch nie etwas „nicht-bodenständiges“ oder „brotloses“ war. Viele meiner Kolleg:innen haben von zuhause das Gegenteil vermittelt bekommen. Das empfinde ich für mich als Privileg.

Lagerkoller: Woher nimmst du deine Inspiration?

jumi: Das mag eine langweilige Antwort sein, aber mich inspiriert zu 99 % das Leben. Mein Songbook liest sich wie ein Tagebuch.

Lagerkoller: Was war bisher dein größter Schritt oder Wendepunkt als Künstlerin

jumi: Ich glaube, mein größter Schritt war, meine ganze Künstlerinnenidentität nochmal umzudenken und entgegen jedes Rats aus der Industrie neu anzufangen. Und was soll ich sagen – es war die beste Entscheidung! Bauchgefühl rules.

Lagerkoller: Was bedeutet dir der Begriff ‚Newcomer‘ – eher Ansporn oder Druck?

jumi: Der Begriff „Newcomer“ ist im Moment ungefähr so viel wert wie der Begriff „toxisch“. Beide Begriffe hatten ursprünglich mal eine reale Bedeutung und werden jetzt komplett inflationär für alles und jeden verwendet. Daher versuche ich, ihn eher zu umgehen.

Lagerkoller: Wie würdest du deinen Stil in drei Worten beschreiben?

jumi: Wie ein selbstgemachter Marmorkuchen – Lecker. Ehrlich. Deutsch. Mit 100% Herz und an manchen Stellen bisschen dunkel.

Lagerkoller: Erzähl uns etwas über deine letzten Releases!

JUMI: Mein letzter Release ist ein Beweis dafür, dass „alles selbst machen“ manchmal auch super cool sein kann. Ich habe Anfang des Jahres meinen Opa verloren, der für mich wie ein zweiter Vater war, und das hat mich ziemlich aus dem Konzept gebracht. Einfach weitermachen wie bisher hat sich richtig doof angefühlt und so hab ich es schlichtweg gelassen. Einfach alle Pläne über den Haufen geworfen und die komplett fertige EP im Releaseplan erstmal pausiert. Es ist ja eben keiner da, der mir sagt, dass ich das nicht darf. Stattdessen habe ich zwei Songs (Treppenhaus und Abgrund) als quasi Doppelsingle rausgebracht, die ich beide vor dem Tod meines Opas über ihn geschrieben habe und die jetzt auf einmal eine neue Bedeutung für mich bekommen haben. Bei „Abgrund“ war es so, dass wir am Ende der Writingsession letzten August noch eine Idee für ein Outro hatten, was wir aber aus zeitlichen Gründen nur so kurz auf dem Handy festhalten konnten. Jetzt haben wir das fertiggemacht und damit ist aus Versehen sogar ein Song entstanden, in dem meine Stimme vor und nach dem Tod miteinander singen.

Lagerkoller: Wie nimmst du die aktuelle Musikszene war – eher motivierend oder herausfordernd?

jumi: Die aktuelle Musikszene ist herausfordernd wie eh und je. Aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich darüber am laufenden Band beschweren, weil es mich leider auch nicht weitergebracht hat. Stattdessen versuche ich einfach, mein Bestes zu geben und dabei lieb zu mir selber zu bleiben.

Lagerkoller: Inwieweit findest du es wichtig, als Künstlerin politische Aussagen zu tätigen/ Standpunkte öffentlich zu vertreten?

jumi: Die Frage nach der politischen Verantwortung finde ich super schwierig. Ich selbst versuche, mich nur zu Dingen zu äußern, die mich selbst betreffen/von denen ich wirklich Ahnung habe.

Lagerkoller: Was ist dir wichtiger: Reichweite oder künstlerische Freiheit?

jumi: Die Frage ist spannend, denn eine große Reichweite geht meiner Meinung nach nicht unbedingt mit einer geringeren künstlerischen Freiheit einher. Die wird eher durch Verträge oder schlechte Geschäftspartner:innen eingeschränkt. Da muss man sich einfach die richtigen Leute rauspicken und auf das Bauchgefühl hören.

Lagerkoller: Wie gehst du mit Zweifeln oder Rückschlägen um?

jumi: Zweifeln gehört dazu. Ich erlebe, dass zumindest bei mir die Zweifler mit zunehmendem Alter lauter werden. Als Anfang 20-Jährige war ich mir meiner Sache echt sehr sicher. Aber wenn ich nicht ab und zu zweifle oder Rückschläge mich verletzen würden, dann wäre es mir auch einfach nicht so wichtig, oder?

Lagerkoller: Wenn du dir ein Feature wünschen könntest – mit wem wär’s?

jumi: Ich hätte sooo Bock auf einen Song mit Nina Chuba oder Juli. Beide Acts stehen in meinem Leben für eine bestimmte Zeit und haben so krasse Banger geschrieben.

Lagerkoller: Was steht als nächstes an?

jumi: Dieses Jahr wird es noch einige Songs für euch geben und im November geht’s auf erste Mini-Tour durch Deutschland! Die Tickets sind nicht teuer und die Läden schnuckelig klein, also kommt vorbei und wir machen uns einen richtig schönen Abend zusammen.

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